Das Apo 50 – Leicas optischer Geniestreich!


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Kein Gespräch über Leica ohne die Preisdiskussion: „Stimmt bei deiner Kamera das Preis-Leistungs-Verhältnis?“ Die Frage wurde mir vor kurzem gestellt, als ich mit meiner digitalen Leica M einen Personalanlass fotografierte. Nun, mir macht eine Messsucherkamera beim Fotografieren mehr Freude als eine Spiegelreflex, eine Kompakte oder irgendeine Systemkamera. Auf der ganzen Welt schiessen Fotografen Spitzenfotos mit weitaus günstigerer Ausrüstung. Die Leica rechtfertigt sich durch den Spass. Oder gibt es noch ein objektives Kriterium? Ja, es sind die Objektive! Solche wie das Apo-Summicron-M 50mm asph., hier einfach Apo 50 genannt. Eine Leica mit einem 50mm-Objektiv, der Normalbrennweite also, das ist das klassische Werkzeug der Fotografie auf der Strasse schlechthin. Das Summicron 50mm – die klangvolle Bezeichnung steht für nichts anderes, als dass die grösste Lichtstärke 2.0 beträgt – ist seit Jahrzehnten im Objektivprogramm von Leica vertreten und wurde mehrfach erneuert. Das Apo-Summicron 50mm, um das es hier geht, ist eine Neukonstruktion mit Linsen, die apochromatisch korrigiert sind. Dieses Objektiv kommt optisch der Perfektion einen grossen Schritt näher.

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Doch betrachten wir zunächst das gute Stück selber: Es beginnt schon bei den Materialien und der Verarbeitung. Hat man einmal die lächerlich überdimensionierte und auf Luxusprodukt designte Verpackung beseitigt, so hält man einen massiven Winzling in der Hand, der auf Anhieb begeistert. An der Leica M hat das Apo 50 die perfekten Dimensionen. Es ist so unauffällig und kompakt wie möglich und so gross wie nötig, damit man bequem damit arbeiten kann.

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Die kleine Streulichtblende ist eingebaut und wird mit einer Drehbewegung aus- und wieder eingefahren. Das funktioniert, allerdings ist das Objektiv seit einer Nachbesserung in der Produktion überhaupt nicht empfindlich auf Gegenlicht oder Streulicht. Einzig an den leichtgängigen Blendenring habe ich mich noch nicht richtig gewöhnen können. An meinen anderen Leica-Objektiven habe ich den Blendenring härter einstellen lassen, damit sich die Blende nicht zufällig verstellt, wenn ich etwa den Fokustab bediene und den Blendenring dabei berühre, und damit ich das Einrasten der Blendenstufen deutlicher spüre. Entweder ich gewöhne mich in den nächsten Monaten daran, dass ich beim Apo 50 besser aufpassen muss, oder ich lasse den Blendenring nachjustieren.

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Was aber leistet das Objektiv, was macht es so gut? Schärfe und Kontrast bei allen Blenden und über die gesamte Bildfläche sind dramatisch. Der Übergang in die Unschärfe ist fliessend, die Unschärfe ist weich. Und was physikalisch eher schlecht beschreibbar ist: Das Motiv zeigt sich in grosser Klarheit. Das Objektiv verfälscht nicht und hascht nicht nach Effekten.

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Leica betreibt grossen Aufwand darin, jedes einzelne Apo 50 so perfekt zu bauen, dass es den Erwartungen entspricht. Es gelangt daher nur in kleinen Stückzahlen in den Verkauf. Die Wartezeiten sind astronomisch. Nach annähernd drei Jahren habe ich mein Exemplar woanders beziehen müssen, als ich es ursprünglich bestellt hatte, weil ich schlicht die Geduld verlor, noch länger zu warten, bis mein Händler beliefert würde.

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Nimmt man drei Kriterien zusammen, also die optische Qualität und die Kompaktheit sowie die Wertigkeit des Objektivs und vergleicht man, was andere Hersteller hier leisten, dann muss man sagen: Das Apo 50 ist ein Geniestreich, schlicht das Nonplusultra der Normalbrennweite. Das Objektiv holt das Maximum aus jedem Leica-Gehäuse heraus. Das Gehäuse, welches das Maximum aus diesem Objektiv herausholt, muss Leica erst noch bauen, wenn man Farbbilder machen will.

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Solche Qualität hat ihren Preis. Das Apo 50 ist doppelt so teuer wie Leicas bisherige Benchmark der Normalbrennweite, das Summilux 50mm. Es ist lichtschwächer als Letzteres, dafür kompakter und mit seiner geringeren Bildfeldwölbung sicherer zu fokussieren als das Summilux.

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Reicht nun die Lichtstärke 2.0 aus? An einer M (Typ 240) mit ihrer recht guten Tauglichkeit bei hohen ISO-Werten schon, an einer M9 dagegen wird das Licht je nach Situation wahrscheinlich knapp. An einer M Monochrom schliesslich ist die Lichtstärke wohl kein Thema. Die Monochrom ist wohl auch die Kamera, die das Auflösungspotential des Apo 50 am meisten ausschöpfen kann, halt auf Schwarzweiss beschränkt. Die Bilder hier wurden jedoch alle mit der M (Typ 240) gemacht, auch die monochromen. Freistellungspotential ist bei Blende 2 jedenfalls genügend vorhanden am Kleinbildformat. Die nächtlichen Porträts sind alle bei ISO 3200 entstanden. Und wenn genügend Licht vorhanden ist und Detailreichtum in der Tiefe gefragt ist, dann kann man auch dieses Objektiv mal abblenden:

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Stimmt das Preis-Leistungsverhältnis nun also? Nein, wenn man bereit ist, für sehr gute Qualität ein grösseres Werkzeug von einem anderen Hersteller herumzutragen, oder wenn man die Normalbrennweite kaum nutzt, sondern einer anderen Brennweite, vielleicht 35mm, den Vorzug gibt. Ja, wenn man der 50mm-Fotograf ist, der beste Handlichkeit in Kombination mit bester Qualität schätzt. Man verkauft alle anderen Leica-Objektive, die man hat, ausser das Summicron 28mm – ebenfalls eine Linse fürs Leben – und vermisst sie nie mehr. Ja, auch das lichtstärkere Summilux 50mm asph. darf gehen. Und noch was: Bevor man das Apo 50 an die M setzt, sollte man den Sensor putzen. Denn man hat nachher nicht mehr häufig die Gelegenheit dazu. Das Apo 50 kommt nur noch vom Gehäuse weg, wenn die Situation ein Weitwinkel erfordert oder wenn der Fall eintritt, dass man sich eine neue Leica kauft. Denn dass es um die Langlebigkeit der digitalen Kameras nicht so gut bestellt ist, mussten auch Leica-User erfahren. Das Apo 50 hingegegen ist wie alle Leica-M-Objektive frei von empfindlicher Elektronik und liefert eine Leistung, die heute schon begeistert und auch an künftigen, vielleicht noch besseren Kameragenerationen brillieren wird.

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Ein Gedanke zu “Das Apo 50 – Leicas optischer Geniestreich!

  1. Hallo Daniel,

    Ein sehr schönes Review.
    Oder eher eine persönliche Sichtweise, ins schönen Worten gefasst, warum Jemand Leica kauft.
    Kann ich absolut nachvollziehen.
    Weiterhin viel Spass damit.
    Gruß
    Christoph

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